Suche in fretter-online.de
Besucherzähler

Heute:0
Gestern:181
dieser Monat:4497
dieses Jahr:93357
seit 09/2010:596000
Start Presse 2013 Aus der Sicht eines Jagdgewehrs

Aus der Sicht eines Jagdgewehrs

Die Dorfcharta von Fretter besteht aus drei Punkten. Erstens: Wähle Christdemokratisch. Zweitens: Sage nichts Schlechtes über den Pfarrer. Und drittens: Geh zum Schützenfest.
Dieses Pamphlet stammt aus dem Hörstück „Der Sargbauer zu Fretter im Sauerland“, das der Dichter und Schriftsteller Ingo Munz, wohnhaft in Essen, nun auf den Markt gebracht hat und das eine ungewöhnliche Brücke zwischen Leben und Tod schlägt.
Wie kommt ein Schriftsteller auf die Idee, eine CD über einen fast vergessenen Beruf herauszugeben? Und wie wird Fretter zum Ort des Geschehens? Wenn Ingo Munz auf diese Fragen antwortet, klingt die Antwort fast banal. Es sei die Liebe gewesen, die den gebürtigen Franken ins Frettertal führte. „Als mein angehender Schwiegervater mich am Bahnhof in Finnentrop abholte und erfuhr, dass ich aus Bayern bin, fragte er, ob ich Franz-Josef Strauß kenne“, erzählt der 40-Jährige. Der erste christdemokratische Eindruck damals.
Der Schriftsteller lernte Land und Leute des Sauerlands kennen – und lieben, wie er sagt: „Das Sauerland ist toll. Es wird schmerzen, dieses Paradies am Ende des Lebens verlassen zu müssen.“ Munz hat eine spitzbübische, fröhliche Art, in der sich aber auch eine gewisse Melancholie versteckt.
Die ersten Gedanken zum Hörstück seien nicht in Fretter gereift. „Es ging darum, sich ganz in einen Beruf zu vertiefen. Ich hatte mich schon lange gefragt, wie wohl ein Sargbauer arbeitet, fühlt und denkt? Als ich das Dorf im Sauerland, das schaurig und schön ist, näher kannte, dachte ich mir, dass er hier zu Hause sein muss. Ich habe dort dann mit tatkräftiger Unterstützung einen Sarg gebaut.“

Weitere Inspirationen fand Munz bei langen Spaziergängen rund um Fretter, die er mit allen Sinnen genossen habe. Der Autor versetzte sich ganz in die Geschichte hinein, die etwas von Hemingways Erzählung „Der alte Mann und das Meer“ aufweist. „Was passiert eigentlich mit einem nicht mehr taufrischen Mann, der das ganze Leben über Särge gebaut hat und der jetzt nur noch an einem einzigen Sarg arbeitet? Die Erzählung vom Sargbauer erzählt auch vom Niedergang eines Menschen“, führt Munz weiter aus.
Und damit bringt er sein Spezialgebiet voll mit in das Hörstück ein: Religiöse Philosophie mit einem völlig unerwarteten, kuriosen Ausgang durchzieht das mit Musik von Rudy Radu unterlegte Hörstück. Erzählt wird die Geschichte übrigens aus der Sicht eines altgedienten Jagdgewehrs.
Die thematisierte Zukunftsangst von Gewehr und Sargbauer hat sich schon verbreitet: Studenten des Fachbereichs Kommunikationsdesign der Fachhochschule Münster haben die Erzählung bildlich interpretiert.
Der „Sargbauer“ ist keine leichte Kost, die Gedanken über Leben und Tod beginnen bei der Lektüre zu kreisen. „Das Leben ist schön“, sagt Munz. „Aber es dauert nicht ewig. Irgendwie ist der Gedanke Gottes nicht ausgereift.“ Von Prosa geprägte Stücke, von Prosa geprägte Denkweise: „Wenn ich in den Himmel komme, muss ich Donnern helfen.“
Ingo Munz stellt den „Sargbauer“, der schon bald mit weiteren Kurzgeschichten in Buchform erscheint, gerne in Büchereien oder Kulturgemeinden vor.
Ingo Munz: „Der Sargbauer zu Fretter im Sauerland“; ISBN: 978-3-944585-00-0 Weitere Infos: Ingomunz.com

Quelle: Sauerlandkurier