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Start Presse 2012 Abschied von "Lehrbühne"

Abschied von "Lehrbühne"

Endlich Ferien. Doch je weiter die Tage auf dem Kalender wandern, umso näher rückt der neue, erste Schultag wieder heran. Bei Peter Mußler (63) sieht das anders aus: Jeder neue Morgen entfernt ihn weiter von der aktiven Schul­zeit.
Das hat seinen Grund: Der Pädagoge aus Niederhelden, der fast 30 Jahre einprägsame Spuren im Schulwesen des Kreis Olpe hinterlassen hat, wurde am letzten Schultag vor den Sommerferien in den Ruhestand verabschiedet. Der in Baesweiler geborene Freund englischer Lebenskultur absolvierte sein Studium in Aachen und trat 1973 in Würselen seine Referendarstelle an. "Damals herrschte dort ein Überangebot an Lehrkräften. Mir wurde angeboten, zu einer Schule nach Recklinghausen oder Olpe zu wechseln."
Sauerland statt Ruhrgebiet - der Grund spricht für unsere Region: "Aufgrund der zu erwartenden Disziplinschwierigkeiten hatte Olpe die friedlichsten Aussichten."
Das Schulamt in Olpe versetzte Peter Mußler kurze Zeit später zur Hauptschule in Finnentrop. Der erste Kontakt mit Finnentrop fiel etwas naserümpfend aus. "Ich kam mit dem Zug an einem Dienstag in Finnentrop an. Da lernte ich sofort, warum in Finnentrop der Dienstag auch Schwienstag genannt wurde." Der legendäre Schweinetransport der Firma Metten und der damit verbundenen "Naturduft" machte auf den jungen Lehrer ein sehr "ländlichen Eindruck."
Doch dann fühlte er sich plötzlich "schweinewohl"; auch das Lehrerteam um Rektor Karl Rosenthal und die Schüler der 5. Klasse fanden den Englisch-Geschichte- und Deutschlehrer echt klasse. 1975 wurde Peter Mußler Dozent für Englisch an der Volkshochschule des Kreises Olpe - 20 Jahre war er für Sprachlernwillige eine gute Anlaufstelle.
Nicht nur bei Sprachreisen setzte er sein (englisches) Lebensmotto "Leben und leben lassen" in die Tat um. Der nächste, markante Eckstein war ein Gespräch mit dem Schulrat, das damit endete, das ihm die Ausbildung von Lehrern im Unterrichtsfach "Englisch" übertragen wurde. 2001 wechselte "Mister Mußler" zur Schule nach Oberhundem; 2004 trat er in Fretter die Nachfolge von Schulleiter Volker Kennemann an. Dort absolvierte "P.M" nun die letzte Unterrichtsstunde seines aktiven Berufslebens.
"Es war auch ein Weg vom Wissensvermittler zum Lernorganisator. Ich kann mir dennoch keinen schöneren Beruf vorstellen. Der Umgang mit Kindern war und ist mir immer wichtig. Bildung ist das wichtigste Gut, das wir weitergeben können."
Der Schulleiter a.D. hat die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt. Seine Philosophie gleicht einen in Stein gehauenen Lehrsatz: "Es reicht nicht mehr aus, das Lehrer von vorgestern mit dem Wissen von gestern, die Kinder von heute auf das Leben von morgen vorbereiten."
Der beliebte und fürsorgliche Bildungsbeauftragte sieht das Bild des "Regelpaukers" in dunkler Vergangenheit. "Wir müssen dahin kommen, das die Schüler Lösungswege entwickeln - denn das wird sie auf den ganzen Lebensweg begleiten." Peter Mußler wird sich nun vermehrt dem Reisen und der Musik widmen. Der Vorsitzende des Fördervereins "Kinder im Aufwind", der Kinder und Jugendliche in vielfältiger Weise unbürokratisch unterstützt, bleibt aber nahe am langgespielten Ball: Verlage und Fachzeitschriften werden vom "lebenslangen Pädagogen" mit Beiträgen beliefert. Und - wie sollte es auch anders sein - bald wird ein neues Kinderbuch in den Regalen stehen.